Zahlreiche Funde (Bronzebeil, Tongefäße, römische Gräber) belegen die frühe Anwesenheit des Menschen im Gebiet der heutigen Gemeinde Ratschings. Die dauerhafte Besiedlung der Seitentäler dürfte jedoch erst nach der bajuwarischen Landnahme (nach 590) eingesetzt haben. Die meisten Ortsnamen werden im 12. oder 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, Telfes, die älteste Siedlung, bereits im 9. Jahrhundert. Aufgrund einer Regierungsverordnung wurden im Jahre 1929 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Ratschings, Ridnaun, Mareit, Jaufental und Telfes zur Großgemeinde Ratschings zusammengelegt.
Mit dem Jaufental, dem Ratschingstal und dem Ridnauntal ist die Gemeinde Ratschings flächenmäßig die größte aller Wipptaler Gemeinden (203,5 km²).
Das Ridnauntal ist mit 18 Kilometern das längste dieser Täler. Dem größten Gletscher der Stubaier Alpen, dem Übeltalferner, entspringt der Fernerbach, der in seinem Unterlauf bei Stange auch den Ratschinger Bach und bei Gasteig den Jaufentaler Bach aufnimmt. Der äußere Talabschnitt, zwischen Gasteig und Mareit, ist breit und flach. Weite Teile dieses Talbodens wurden früher häufig von den ungezähmten, aus den Gletscherseen ausgegebrochenen Wassermassen überschwemmt, so dass sich die Menschen nur an den Hängen des Tales gefahrlos ansiedlen konnten. Die Ortschaften Gasteig und Stange (980 m) liegen am südlichen Rand, am sonnigen Hang gegenüber liegt Telfes (1250 m). Bei Mareit (1035 m) beginnt das Tal anzusteigen, bis man schließlich über den Weiler Gasse Ridnaun erreicht. Hier weitet sich das Tal noch einmal, bis man bei der Ortschaft Maiern am Talschluss angelangt ist.
Das Ratschingstal verläuft in westlicher Richtung von der Ortschaft Stange bis zum Weiler Flading ganz im Talschluss. Die steilen und unwegsamen Südhänge mit dem langgezogenen Rücken des Mareiter Steins bergen den bekannten Ratschinger Marmor. Auf den sanfteren Nordhängen findet man ausgedehnte Fichtenwälder und zahlreiche Almen. Hier dehnt sich das bekannte Skigebiet Ratschings aus. Im äußersten Talabschnitt, zwischen Jaufensteg und Stange, stürzt der Ratschinger Bach durch die impossante Gilfenklamm über zahlreiche Wasserfälle in die Tiefe. Das Jaufental verläuft, bei Gasteig abzweigend, in südwestlicher Richtung bis zum Jaufenjoch hin. Hat man die Talenge gleich hinter Gasteig passiert, erreicht man bald den Weiler St. Anton, den Hauptort Mittertal und die Weiler Obertal und Schluppes. Hier endet die Fahrstraße und es führt nur mehr ein Fußweg weiter zur Jaufenpasshöhe
Zwischen dem Ratschings- und dem Jaufental schlängelt sich die Jaufenpassstraße nach Meran. Über weite Strecken ist sie identisch mit dem Urweg über den Jaufen, dem Saumpfad, der jahrhundertelang die einzige Verbindung zwischen Meran und Hall in Tirol war. Hall hatte große Wichtigkeit, da die, in den hiesigen Bergwerken gewonnenen Erze, dort zu Münzen geprägt wurden.


